Bericht vom XIX. Festival del Habano von Christoph A. Puszkar

Das XIX. Festival del Habano in Havanna begann mit der traditionellen Pressekonferenz. Habanos-Vizepräsident Javier Terrés und Marketing-Direktor Enrique Babot berichteten über die Geschäftsentwicklung im Jahr 2016. Insgesamt legte der Umsatz von Habanos S.A. um 5% auf 445 Mio. US-Dollar zu. Habanos ist damit deutlich stärker gewachsen als der globale Markt von Luxusprodukten, der kein Wachstum verzeichnen konnte. Der Marktanteil von Habanos im Premium-Cigarrensegment blieb wertmäßig konstant bei 70%, im Umsatz ebenfalls stabil bei 80%. Diese Zahlen sind ohne den weltweit größten Premium-Cigarrenmarkt USA gerechnet, in denen die Habanos wegen des immer noch bestehenden Embargos für cubanische Produkte nach wie vor nicht verkauft werden dürfen. In der Rangfolge der Länder mit den meisten Habanos-Verkäufen führt Spanien vor Frankreich, China, Deutschland, Cuba und der Schweiz. Diese sechs Länder machen insgesamt 50% der weltweiten Habanos-Verkäufe aus. Besonders stark zugelegt hatte Cuba, in dem seit rund drei Jahren eine geradezu explosionsartige Zunahme im Tourismus sichtbar ist. Dabei spielen zweifellos auch die noch von der Obama-Regierung verfügten Erleichterungen für private Einfuhren aus Cuba eine Rolle. US-Amerikaner können seitdem pro Person bis 100 Stück Cigarren im Wert von 800 US-Dollar in die USA zollfrei einführen. Laut Javier Terrés lässt sich dieser Effekt jedoch nicht zahlenmäßig erfassen.
Derzeit gibt es weltweit 144 La Casas del Habano, 875 Habanos Specialists (+5% zum Vorjahr) und mehr als 1.950 Habanos Points (+2%). 24% der Habanos werden weltweit im Duty Free verkauft. Stärkste Region ist mit 55% nach wie vor Westeuropa. Auch die Umsetzung der EU-TPD2 hatte hier also noch keinen negativen Einfluss. Die Aussichten für das Jahr 2017 bezeichnete Terrés als positiv. Die aktuelle Tabakernte 2016/2017 wird als sehr gut in Menge und Qualität eingeschätzt.
Die Anzahl der Teilnehmer am XIX. Festival del Habano wurde mit 2.000 angegeben. Sie kamen aus mehr als 50 Ländern.
Der Eröffnungsabend des XIX. Festival del Habano fand im eleganten Club Habana statt. Dort präsentierte Habanos S.A. erstmals die H.Upmann Sir Winston Gran Reserva Cosecha 2011. Alle Tabake, die für diese Cigarre verwendet wurden, sind mindestens fünf Jahre alt.
Sie hat das Format einer Churchill, das auch Julieta No.2 genannt wird, mit 178 mm Länge und einem Ringmaß von 47. Weltweit wird es nur 5.000 Kisten dieser Cigarren geben.

Leider fiel die Veranstaltung, die größtenteils Open Air stattfinden sollte, durch vorher nicht angekündigten, starken Regen teilweise regelrecht ins Wasser. Die insgesamt vier Bühnen, auf denen namhafte cubanische Musiker auftreten sollten, konnten nicht genutzt werden. Bei exzellenten Cigarren, ausreichend Speisen und Getränken machten die Teilnehmer jedoch das Beste aus der Situation und feierten den Beginn des XIX. Festival del Habano.


Interessante Seminare standen am Mittwoch beim XIX. Festival del Habano auf dem Programm. Die Teilnehmer konnten ihre Fähigkeiten beim Rollen einer Cigarre unter Anleitung erfahrener Torcedores erproben oder das Zusammenspiel von Habanos und Brandys erproben. Mit Spannung erwartet wurde auch das Seminar zur Geschichte der Marke Quai d'Orsay, die später im Mittelpunkt der Abendveranstaltung stehen sollte. Diese Marke wurde in den 1960er Jahren entwickelt und kam im Jahr 1973 auf den Markt. Das damalige französische Staatsunternehmen Seita entwickelte die Marke und ihre Formate zusammen mit dem Vorgänger der heutigen Habanos S.A. Sie bestand damals aus vier Formaten, die dem Zeitgeist entsprechend eher schlanke Ringmaße hatten. Besonders kennzeichnend waren ihre hellen Deckblätter, die man auch als "candela" (spanisch für "Kerze") bezeichnet. Ihr Geschmack sollte mild, aber aromatisch sein, wobei die Marke Hoyo de Monterrey als Referenz galt.
Die Marke Quai d'Orsay führte in den vergangenen Jahrzehnten bekanntlich eher ein Schattendasein. Ihre Formate kamen außer Mode und ein Format nach dem anderen wurde eingestellt. Lediglich die Coronas Claros blieben im Programm, um die Markenrechte nicht zu verlieren. Sie wurde jedoch nur in einigen wenigen Ländern von den Habanos-Importeuren angeboten. In Deutschland war die Marke exklusiv in den La Casas del Habano und den Geschäften der John
Aylesbury-Gruppe erhältlich. Habanos S.A. hat Marktanalysen erstellt, die gerade für diese Marke ein besonderes Potential im stark wachsenden asiatischen Markt erkennen lassen und sie deshalb nun komplett überarbeitet. Sie besteht künftig aus drei Formaten: der klassischen Corona Claro (Format Corona, Länge 142 mm, Ringmaß 42) und zwei modernen Formaten, namens No. 50 (Formate D No.5, Länge 110, Ringmaß 50) und No. 54 (Format Edmundo Grueso, Länge 135, Ringmaß 54). Es werden nun keine hellen Deckblätter mehr verwendet, aber die Tabakmischung bleibt mild und sehr aromatisch. Davon konnten sich die Festivalteilnehmer bei einer großartigen Abendveranstaltung auch gleich selbst überzeugen. Begleitet wurde dieser Abend von herausragenden cubanischen Musikern, die nach der wetterbedingten Pleite am Montagabend zu Höchstform ausliefen und Saal "rockten". Hervorragendes Essen und sehr gute Weine rundeten das Erlebnis für alle Sinne ab.

Der Donnerstag der Festivalwoche steht traditionell im Zeichen der Torcedores. Schließlich verdanken wir der Arbeit ihrer geschickten Hände, dass wir überhaupt Cigarren genießen dürfen. Besichtigt wurden in diesem Jahr die Manufakturen H.Upmann und La Corona. H.Upmann wurde ausgewählt, weil sie das Stammhaus der Marken Montecristo und natürlich H.Upmann ist. In beiden Marken wurden in diesem Jahr Neuheiten vorgestellt. Bei Upmann die bereits schon im früheren Bericht erwähnte Sir Winston Gran Reserva und in der Marke Montecristo wurde auf der großen Abschlussgala eine komplett neue Linie vorgestellt. La Corona ist die größte Manufaktur in Cuba und hat die Oberhoheit über eine ganze Reihe von Marken: Romeo y Julieta, Hoyo de Monterrey, Punch, Cuaba, Por Larrañaga, San Cristóbal de La Habana und Diplomaticos. Nahezu 400 Torcedores sitzen hier auf zwei Ebenen in den Galeras und rollen Cigarren. Die besten Torcedores mit der höchsten, der neunten, Kategorie sitzen vorn, die Lehrlinge traditionell ganz hinten. Sie können sich dann nach dem Ende ihrer Ausbildung wortwörtlich "vorarbeiten". Ihre
Bezahlung erhalten die Roller für das Erreichen einer je nach dem zu rollenden Format festgelegten Anzahl, allerdings nur, wenn sie diese auch in entsprechend guter Qualität fertigen. Übertreffen sie dieses Ziel (beispielsweise 130 Stück des Formats "Petit Corona"), erhalten sie einen Bonus.
In der Manufaktur H.Upmann haben wir Yosavany Herrera Oduardo getroffen, der im April in Deutschland auf Tournee gehen wird. Sein Direktor Raul Gonzalez Rodriguez lobte ihn als einen der besten Roller seiner Manufaktur. Wir freuen uns schon auf den Besuch des sympathischen jungen Mannes.

Natürlich haben wir in beiden Cigarrenfabriken auch wieder einige Torcedores getroffen, die schon bei uns waren, wie zum Beispiel Miltania Perez Borges, die sich sehr über einen großen Bericht in der deutschen Tabak-Zeitung freute, den wir mitgebracht hatten. Sie war im vergangenen Jahr bei uns auf Tournee. Auch mit Maritza, Gladys und Hector Luis gab es ein herzliches Wiedersehen.
Am Abend fand dann die Cena Cubana statt, die wir als 5THAvenue mit unseren Kollegen von Intertabak, dem offiziellen Importeur für die Schweiz schon seit vielen Jahren ausrichten. Für uns ist dies immer eine schöne Gelegenheit, uns bei den vielen Mitarbeitern von Habanos S.A. und aus der cubanischen Cigarrenindustrie zu bedanken, mit denen wir das ganze Jahr über zusammenarbeiten. In diesem Jahr fand unsere Veranstaltung im Habana Café neben dem Hotel Meliá Cohiba statt. Dort wurde ein großartiges Show- und Musikprogramm angeboten, dass nicht nur die cubanischen, sondern auch die Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz begeisterte. Auch die gereichten Cigarren kamen hervorragend an - die La Gloria Cubana Glorias aus de Edicion Regional 2015 für 5THAvenue und die Punch Supremos aus der Edicion Regional Suiza 2016. Als fantastische Begleitung dieser beiden exzellenten Cigarren erwies sich der neue Rum "Tributo" von Havana Club, der für das Jahr 2017 in limitierter Auflage angeboten wird. Er wurde vorgestellt von Asbel Morales, einem von insgesamt acht "Maestros Roneros", der diesen Rum entwickelt hat.
Am Freitag endete das XIX. Festival del Habano mit einer rauschenden Gala-Nacht, die alle Sinne ansprach. Im Mittelpunkt stand dabei unübersehbar die Marke Montecristo. Die im Jahr 1935 gegründete Marke erlebte die Einführung einer ganz neuen Serie: der Línea 1935. Sie wird künftig die neue Premiumlinie der Marke sein und besteht aus den drei Formaten:
"Dumas", einem völlig neuen Format namens Prominente Corto (130 mm, Ringmaß 49) sowie der
"Maltés", im Format Sobresalientes (135 mm, Ringmaß 53), das hin und wieder bereits für Sonderauflagen und Ediciones Regionales verwendet wurde und der
"Leyenda", mit dem Format Maravillas No.2 (165 mm, Ringmaß 55), das kürzlich als "Montecristo 80 Aniversario" zum 80jährigen Jubiläum der Marke erschien.

Alle drei Formate werden in Kisten mit 20 Stück Inhalt angeboten. Die Gestaltung der Kisten lehnt sich stark an die der Montecristo 80 Aniversario an, sie sind in einem warmen Braunton matt lackiert. Zum ersten Mal in der Geschichte der Habanos erhalten diesen Cigarren neben einem zweiten Ring auch noch einen dritten Ring, der am Fuß der Cigarre angebracht ist. Die Mischung der Cigarren der neuen Linie ist deutlich kräftiger, als die der klassischen Montecristos oder der Linie Edmundo. Sie spricht damit eindeutig erfahrene Cigarrenraucher und Liebhaber gehaltvoll-würziger Cigarren an.
Die renommierte Auszeichnung "Hombre del Habano" ging in der Kategorie Kommunikation an Gordon Mott vom Magazin "Cigar Aficionado", in der Kategorie Produktion an die Cubanerin Josefa Acosta Ramos, die mehr als 60 Jahre in der Cigarrenindustrie tatig ist und ihr Wissen auch heute noch an jüngere Generationen weitergibt und in der Kategorie Business an den Londoner Fachhändler Edward Sahakian. Nomiert war in dieser Kategorie auch der Wiener Fachhändler Ercan Hazar.
Einen Rekorderlös erbrachte die in diesem Jahr von Gary Heathcott geleitete Versteigerung exklusiver Humidore. Insgesamt wurden sieben Stück für 1,265 Mio. Euro zugunsten des cubanischen Gesundheitssystems versteigert.
Wie üblich, jagte wieder ein kultureller Höhepunkt den nächsten auf dieser Gala-Veranstaltung.